Die besonderen Eigenschaften der Katze bieten Raum für Märchen, Sagen und Legenden

Die Felidae (Katzenartige) bilden neben den Canidae (Hundeartige) die größte Klassifizierungsgruppe im Säugetierreich. Es gibt 39 unterschiedliche Katzenarten, die sich in Groß,- Klein,- Haus,- und Wildkatzen unterscheiden. Seit ungefähr zehntausend Jahren leben diese Tiere mit den Menschen zusammen. Da ist es kein Wunder, dass ihre besonderen Eigenschaften viel Raum für Märchen, Sagen und Legenden bildete.

Wo wurden die Katzen domestiziert?

Laut heutigem Kenntnisstand geht die Domestikation der Katze auf das Jahr 6000 vor Christus zurück. Im Norden der Wüste Syriens, genauer gesagt auf der fruchtbaren Halbmondinsel, ließen sich die ersten Wildkatzen in der Nähe menschlicher Siedlungen nieder. Im Gegensatz von Hunden, Rindern, Geflügel oder Schweinen, deutet jedoch nichts darauf hin, dass es sich bei der Domestikation der Hauskatze um ein gezieltes Vorgehen der Menschen handelte. Anscheinend haben sich die damaligen Wildkatzen selbstständig an die Bedingungen angepasst, die ihnen das Leben mit dem Homo Sapiens auferlegt. Schon bald stellten sich die selbstständigen Jäger als nützliche Begleiter heraus, da sie im Gegensatz zu Hunden und Schweinen mit den Menschen nicht um das Futter konkurrierten, sondern stattdessen die Ernte vor Schädigung durch Nagetiere schützten. Es dauerte nicht lang und die Katze wurde in die Mythologie und Religion aufgenommen.

Bastet – die Göttin mit dem Katzenkopf

Die alten Ägypter verehrten Bastet als Göttin der Fruchtbarkeit, Beschützerin der Schwangeren und Schutzpatronin und Liebhaberin von Musik und Tanz. Ihre ältesten Darstellungen zeigen sie noch mit einem Löwenkopf, der später jedoch durch das Haupt einer Katze ersetzt wurde. Hatte sie anfangs noch negative Eigenschaften wie Reizbarkeit und Rachsucht, so wurden diese später an ihren Schatten Sachmet angedichtet und Bastet blieb als gutherzige Göttin in Erinnerung, deren Huldigung ein hehres Ziel war. Durch diese Huldigung war es nicht unüblich, dass ägyptische Priester Katzen züchteten, die sie an Gläubige verkauften, töteten und als Grabbeilage mumifizierten.

Der allgemeine Glaube bestand darin, dass je mehr Katzen einbalsamiert und als Mumien bestattet werden, desto größer ist die Gunst der Göttin Bastet. Röntgenaufnahmen von Katzenmumien zeigten jedoch, dass viele der balsamierten Vierbeiner, die im Tal der Könige gefunden wurden, leer waren oder nur ein paar Katzenknochen beinhalteten. Ob es sich hierbei um einen wissentlichen Betrug des Priesters oder um eine Knappheit an Katzen handelte, ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Trotz der Würdigung und Subvention der rituellen Tötung von Katzen, war das außerreligiöse Töten dieser Tiere eine Straftat, die mit dem Tod bestraft wurde. Der griechische Denker und Völkerkundler Herodot verweist in seinen Historien darauf, dass die Bewohner eines Haushaltes sich die Augenbrauen abrasierten, wenn die eigene Hauskatze verstarb. Hiernach wurde sie in die Stadt Bubastis gebracht, einbalsamiert und bestattet. So zeigt sich, dass die Menschen aus dem alten Ägypten um ihre Verstorbenen Tiere einen wahren Totenkult schufen.

Die Katze kommt nach Europa

Mit der gestiegenen Diplomatie zwischen dem römischen Großreich und dem alten Ägypten kamen auch die Katzen nach Europa. Die Huldigung war hier zwar nicht so groß, wie die der Ägypter, allerdings waren die alten Römer dankbar für die fleißigen kleinen Jäger. Die römischen Vasen waren mit Katzen bemalt. Dies deutet zwar nicht auf eine religiöse Verehrung hin (zumal die alten Römer eher die Elemente und Geschehnisse an sich vermenschlichten und anbeteten), jedoch auf eine Würdigung der Fähigkeiten der schnellen Raubtiere. Trotz des gesunkenen Ansehens der Katze, zuvor war sie immerhin noch ein Gott, blieb sie lange Zeit im europäischen Raum gern gesehen. Mit dem dunklen Mittelalter begann aber eine Charakterisierung der Katze, die sich in Sagen und Märchen wiederfindet. Nicht immer zum Guten.

Die Katze als Held und Bösewicht in Märchen

Jeder kennt die Geschichte des gestiefelten Katers, die von den Brüdern Grimm niedergeschrieben wurde. Eine Katze, die aus unerklärten Gründen sprechen kann und einem armen Müller hilft, weit über seinen Stand hinaus zu wachsen. Dies tut das Tier mit List, Lügen, Betrug, Diebstahl und sogar Mord. (Sie frisst einen Zauberer, nachdem er sich in eine Maus verwandelt hat). Aufgrund der erzählerischen Perspektive sehen wir in der Katze einen Helden. Objektiv betrachtet sind die Handlungen des Charakters allerdings als unethisch einzustufen. Die Darstellung als Held gelingt nur aus zwei Gründen

  • Erstens: Die Katze hilft mit ihrem Handeln dem armen Müller.
  • Zweitens: Der von ihr gefressene Zauberer wird als bösartig und diktatorisch beschrieben. So wirkt das Fressen wie ein Tyrannenmord und daher als legitim.

Trotz der positiven Darstellung zeigt sich allein in diesem Märchen der Wandel des Ansehens der Katze. Dass sie eigensinnig und am liebsten nachts unterwegs ist, hat diesem Ruf gewiss nicht gut getan. Es dauerte nicht lange und die Katze wurde als Begleiter für Hexen, Teufel und Dämonen gesehen. Schwarze Katzen waren sogar so verpönt, dass eine Begegnung mit ihnen als garantiert böses Omen betrachtet wurde. Dieser Aberglaube ging sogar so weit, dass schwarze Katzen gezielt getötet wurden. Zwar gab es immer wieder einzelne Geschichten und Märchen, in denen Katzen auch als liebevoll dargestellt wurden, jedoch überwog im Denken der Menschen der Eindruck, dass diese Tiere Einzelgänger, wenn nicht sogar gemein sind. So wird in vielen Fabeln von der Maus und der Katze gesprochen, die die Tyrannei des Starken über den Schwachen symbolisiert. Als gute Nebenfigur kann die Katze im Märchen “der alte Sultan” gesehen werden. In dieser Geschichte geht es um einen alten Hund, der sich aufgrund eines Paktes im Zwist mit einem Wolf befindet. Eine dreibeinige Katze hilft dem Hund und wird vom Wolf aufgrund ihres erhobenen Schwanzes für einen Säbelträger gehalten. Auch hier sehen wir wieder die List, die diesem Tier angedichtet wird. Zudem greift die Katze in der Geschichte ohne Provokation den Gehilfen des Wolfes an, da sie diesen für eine Maus hält. Auch hier wird der schwierige Charakter der Katze thematisiert. Bei den “Bremer Stadtmusikanten” ist die Katze relativ charakterlos, was sie allerdings als reines Opfer der Umstände dastehen lässt, die sich mit Talent aus ihrer Situation befreit.

Die Katze in der Moderne

Das Bild der Hexe, die sich mit Katzen umgibt, ist noch heute präsent. So spielt in der Serie “Sabrina” die schwarze Katze Salem eine wichtige Rolle. Und auch in modernen Medien spielt sie oft eine Antagonisten Rolle. Der Erzfeind der Disney Helden “Chip und Chap” ist der übergewichtige Al Katzone. Der Warner Brothers Charakter Tweety wird vom schwarzen Kater Silvester gejagt und auch Jerry wird von Tom verfolgt. Bei Letzteren wird das Verhältnis zwischen stark und schwach jedoch auf humorvolle Art umgekehrt. Das Thema der Katzenmusik und der Straßenkatzen wird in Aristocats filmisch verarbeitet und der Autor Stephen King lässt in seinem Roman “Dr. Sleep” die schwarze Katze Azrael eine kleine, aber wichtige Rolle annehmen. Gerade bei dieser Darstellung gelingt es dem Autor, das negative Bild der schwarzen Katze in etwas beruhigendes und Schönes umzuwandeln.
Inzwischen wurde der Ruf der Katze sogar so weit akzeptiert, dass die vermeintlich schlechten Eigenschaften zu einem tragenden Element ihrer Charakterisierung wurden. Der Kater Garfield zum Beispiel, der am liebsten döst und frisst. Zu diesem Charaktertypus zählt auch die Katze aus Simons Cat. Der Protagonist der Comicreihe ist die Katze des Halters Simon. In zwei bis maximalen drei Panels wird hier immer wieder das Zusammenleben mit einer Katze auf humorvolle Art und Weise dargestellt. Interessant an Garfield und Simons Cat ist allerdings ihre Kommunikation. Denn diese miauen nicht. Das bei solchen Sympathieträgern der typische Klang der Katzenkommunikation fehlt bedeutet zum einen, dass inzwischen die Tiefe der Charakterzüge von Katzen erkannt wurde und zum anderen, dass die Autoren hier die Fähigkeiten ihrer Protagonisten erkannt haben, sich wortlos zu helfen zu wissen. So hat sich das Bild der Katze geändert, auch wenn es im Kern noch immer Parallelen zur Darstellung im alten Ägypten, über die römische Frühzeit bis zum europäischen Mittelalter gibt.

Dieser Kern konnte aber dank der Aufklärung der Moderne inzwischen ironisch aufgefasst werden und schadet den Tieren nicht mehr als gefährlicher Aberglaube und so wird ihre Darstellung in Märchen, Sagen und Geschichten wahrscheinlich immer einzigartig bleiben.

Da es sich hierbei um einzigartige Tiere handelt.